Frau Hedi bietet mal wieder einen Kracher: Johnny King, den ich neulich im Vorprogramm zum Film Repoman im Millerntoropenair schon sehr nett fand, spielt live auf, dazu/danach gibt es DJs und endlich mal eine echte Hafenrundfahrtsmoderation.
Bevor jetzt wieder der "Alte-Säcke-immer-noch-die-gleiche-Scheiße"-Vorwurf kommt: Ich musste an gleicher Stelle schon Desmond Dekker erleben, der seinen letzten Hit hatte, als die Eltern von Abwärtsmitgliedern noch mit der Rassel um den Weihnachtsbaum gelaufen sind. Dekker war mehr als peinlich. Der auch nicht mehr ganz junge Laurel Aitkin hingegen war großartig. Aber darum geht es jetzt ja gar nicht, auch nicht darum, dass das sogenannte Rockspektakel auf dem Rathausmarkt und die davon attraktierten Humanoiden ohnehin zweifelhafter Natur ist.
Am Freitag 15.09., zwischen 22.00-23.00 Uhr, spielen
Abwärts zum Tanze auf. Von der Originalbesetzung ist nur noch Frank Z. dabei, seit geraumer Zeit unterstützt von Rodrigo González. Ich mag die Band immer noch oder wieder, leider veröffentlichen sie jetzt nun nur ein Best-Of-Album (habe ich alles schon ...), aber es soll auch demnächst ein neues Album geben. Ein "richtiges" Konzert am 17.11. im Grünspan geben, der Rathausmarkt geht dann als kostenloser Vorgeschmack durch.
Filme von
Peter Sempel sind schon recht speziell ... derzeit zeigt das
3001 eine Übersicht über 25 Jahre Musikfilme von Sempel.
Am gestrigen Montag in der Spätvorstellung gab es ein paar ausgewählte Kurzfilme über Bands nicht nur aus Hamburg: Huah!, Tulip, Abwärts (die frischen Bilder vom
Abwärtsgig auf dem Rathausmarkt), Tocotronic, Nick Cave ... dazwischen immer mehr oder weniger hilfreiche Ansagen vom Regisseur derart "Das ist ein Punkabend, weil ich zeige, was ich will." Alles in allem ganz amüsant, große Schnitt- und Tonkunst war von mir nicht erwartet worden.
Pluspunkt:
- Für alle eine reichliche Portion Schnaps zur Eintrittskarte.
Minuspunkte:
- Die Band, deren in einem Jugendzentrum abgefilmter Beitrag musikalisch so grottenlangweilig war, das ich ihren Namen wieder vergessen musste, meinte lauthals gegen das ein oder andere, vor allem aber gegen Abwärts motzen zu müssen. Meinen, das Definitionsrecht zu besitzen, ist entweder nicht Punk oder Punk ist auch egal.
- Deppen, die eine Band erkennen und dann immer lauthals ihr Lieblingslied dieser Band fordern, nur weil der anwesende Regisseur schon mal ein bisschen hin- und herspult.
Ich bleibe dabei: Das sogenannte
Rockspektakel auf dem Rathausmarkt und die davon attraktierten Humanoiden sind zweifelhafter Natur. Wer mal wieder mit einem dämlichen Jägermeistersonnenhut durch ein Meer von Scherben waten will, ist dort an der richtigen Stelle.
Freitag spielten allerdings
Abwärts zum Tanze auf. Da musste ich dann doch mal wieder hin. Und das war auch durchaus nett, ich mag den zynischen Dreck mit dem einen Frank Z. beschmeißt einfach. Musikalisch innovative Songs wird von Abwärts wohl niemand erwarten. In der Szenerie vorm Rathaus kam die Best-Of-Show ganz gut.
Und mir ist mal wieder klargeworden: Wenn es einen wichtigen Song als Kommentar zur Wiedervereinigung gibt, dann ist das "Sonderzug zur Endstation". Schon alleine deshalb, weil sich Abwärts nicht darauf ausgeruht hat, sondern mit "Zonenzombie" einige Zeit später eine aktualisierte Fassung nachgelegt hat. Und das relativ neue Terrorbeat darf durchaus als gelungener Kommentar zu aktuellen Weltlage gewertet werden. Möge den dämlichen Rest Terroresel im Sonderzug beim Versuch, das unsägliche "Wind of Change" nachzupfeifen, der Schlag treffen.
Ich werde wohl auch auf das "richtige" Konzert am 17.11. im Grünspan gehen.
Das
Lichtmeß-Kino hat mich mal wieder gelockt und ich habe es nicht bereut:
37 Uses For A Dead Sheep
Ben Hopkins, UK 2006, 85 min, OmU, 35 mm
Der kleine Stamm er Pamir-Kirgisen ist vor den realsozialistischen Regierungen der UdSSR, Chinas und Afganistans immer wieder geflohen und via Pakistan am Ende am Rande der Türkei gelandet. Scharmützel, Flucht und die eher lebensfeindliche Umwelt - in einer der zeitweilig bewohnten Regionen gibt es durchschnittlich 20 frostfreie Tage im Jahr - forderten immer wieder reichlich Opfer. Auch die heutige Situation ist alles andere als befriedigend. Zwar scheinen Hunger, Kälte und fehlende medizinische Versorgung der Vergangenheit anzugehören, aber mangels Jobs und Perspektiven ziehen die jungen Leute nach Istanbul (oder anderswo) und der Stamm verliert mit den Menschen auch seine Traditionen.
Der Film ist wirklich sehr unkonventionell. Manchmal weiß man nicht so recht, ob man lachen oder weinen soll. Ben Hopkins versucht, die Pamir-Kirgisen ihre Geschichte möglichst selbst erzählen und darstellen zu lassen. Dazu werden einzelne historische Ereignisse nachgespielt/erzählt. Dabei kommt es immer wieder zu Schwierigkeiten, so dass das eigentlich spannende am Film eigentlich die Zwischensequenzen sind. Viel Gelächer, Rettung durch Joghurt, Tote-Ziegen-Polo und 37 Verwendungen für tote Schafe.
Auf der Seite von
Pifflmedien gibt es mehr Infos, Photos, Rezensionen und den für mich nicht ganz uninteressanten Hinweis, dass der Regisseur auch den Film
The Nine Lives of Tomas Katz gemacht hat.