Skip to content

Altes Zeug aus anderer Leute CD-Sammlung

Aus dem Stapel der CDs, die meine Übergangsmitbewohnerin mit sich führt, sind mir zwei besonders aufgefallen:

Multicoloured Shades: "Sundome City Exit" - Ein Trip zurück in die zweite Hälfte der Achtziger Jahre, als diese Band ihren wohl einzigen Hit "Teen Sex Transfusion"; ich mochte das damals, hatte aber die Platte nie. Gefällt mir immer noch, aber mehr als eine gute Maxi gibt die komplette CD nicht her.

Placebo: " Without you I'm Nothing" - Eigentlich dachte ich immer, ich mag Placebo nicht. Dann lief diese CD so nebenher und ich war positiv überrascht. Allerdings habe ich gestern Nacht noch den Fehler begangen mich mit den Texten zu befassen, das ist mal wieder nur blah. Da fällt das mit dem mögen schon gleich wieder schwerer ...

Mozart. Auweia.

Die Frau, die weiß, wo es in Hamburg langgeht, hatte Vorgestern Oper auf's Programm gesetzt. Als war ich mal wieder auf Kampnagel: "Don Giovanni". Mit der Geschichte hatte ich mich nicht befasst, aber ich hoffte inständig, der Hauptakteur sei nicht wieder so ein Jammerlappen wie Don Carlos oder ein debiler Jesusersatz wie Parsifal. Wenigstens das war dann auch so.

Eigentlich ist der Hauptakteur der einzig einigermassen lebendige in dieser Oper, wahrscheinlich muss er deshalb sterben. Im Prinzip geht es darum, dass Casanova Don Giovianni es im Laufe der Jahre mit den Frauengeschichten übertrieben hat. Außerdem gerät er noch in eine Handgreiflichkeit mit dem Vater einer der Verführten, wobei dieser zu Tode kommt. Auf der Flucht vor der Verführten und ihrem Gemahl macht Don Giovanni sich - wohl aus Gewohnheit - noch eine Braut heran. Der Bräutigam findet das eher unkomisch, die Braut bald auch nicht mehr. Unterstützt werden die vier VerfolgerInnen noch um eine weitere Verflossene. Irgendwann treffen sich die Protagonisten auf einer Party und dann bezieht Don Giovanni Dresche. Wäre hier Schluss gewesen, wäre meine Beurteilung gnädiger ... leider war dann erst Pause. Inhaltlich passiert danach aber eigentlich nichts mehr, die Aspekte der Geschichte wird in Variationen wiedergekäut. Am Ende stirbt Don Giavanni angesichts der Manifestation des zu Beginn Erschlagenen in einer Statue, ob an allgemeinem Überdruß oder aus Angst vermag ich nicht zu sagen. (Die einige Spannung versprechende Geschichte des "treuen Dieners" Leperollo, der zu zweifeln beginnt, ob er seine eigenen Bedürfnisse wirklich immer hinter denen seines Herren Don Giovanni zurückstehen müssen, ist/bleibt leider nur eine Nebengeschichte.)

Das Bühnenbild ist eigenwillig: Das Orchester sitzt mitten im Publikum, das sich am Ende der Bühne in einer Spiegelwand selbst bestaunt. Mittig gibt es eine Art Laufsteg, links und rechts davon eine üppige Blumenwiese, in deren labyrinthartigen Gängen die Protagonisten häuiger herumirren. Das wirkt alles erst sehr mächtig, aber je mehr man sich das beguckt - und im zweiten Teil hat man dazu reichlich Gelegenheit - desto billiger und willkürlich erscheint das Ganze. Die Farben werden - z. T. durch das grottige Licht - immer unnatürlicher und nervig für das Auge. Eine Maske scheint es gar nicht zu geben, sieht man von ein bisschen weißer Tünche für die Statue ab. Die Kostüme sind der Hammer: Wenn Farben, dann immer von dem bisschen Schrillheit geprägt, dass auf eine nicht erkannte Rotgrünblindheit des Gewandmeisters schließen lässt. Das Ensemble muss sich mit Stoffteilen (teilweise nur notdürfig) verhüllen, die keine der üblichen formalen Anforderungen an Kleidung erfüllen. Mein persönlicher Favourit, war die Oberbekleidung des Schwiegervater-Rächers: Ein silbrige Sack, den einen Pullover zu nennen ich mich nicht traue. Ein Farbe, die jeden einfach Scheiße aussehen lässt, gepaart mit einem Schnitt, der jeden Adonis in einen unbeholfenen Kartoffelsack verwandelt.

Den Gesang wage ich nicht zu beurteilen, das Darstellerische ließe sich allergings bei dem ein oder anderen verbessern. Die Musik fand ich ziemlich seicht. Da hilft auch ein engagierter Dirigent nichts. Immerhin zieht er mit seinem Orchster mehrfach auf oder neben die Bühne und gibt bei einer Tanzszene sogar den Travolta. Aber gibt es eigentlich ein Gesetz, dass Dirigenten zwingt, stets unmöglich Frisuren zu tragen?

Zweimal Literatur im Briefkasten

Relativ zeitgleich (wenn auch schon vor einer ganzen Weile) sind bei mir Punchliner Nr. 2 und die Erstausgabe von "Exot - Zeitschrift für komische Literatur" im Briefkasten gelandet. Wie immer bei dieser Art Lektüre mit kurzen Texten, Lyrik usw. dauerte das Lesen ein wenig ... aber nun, wo der Rest von Deutschland Vattenfall (sonst ändert sich nix) sich langsam unter den Weihnachtsbaum verkrümelt, habe ich ja Zeit mal was wegzuschaffen.

Der Punchliner setzt seinen Weg konsequent fort. Mehr oder weniger als Nachfolger von Subh gestartet, setzen die Macher offensichtlich auf Qualität statt Quantität und so erscheint dieses Druckwerk - leider! - nur jährlich. Die "üblichen Verdächtigen" und einige MitstreiterInnen liefern ein mit lesenswerten Texten prall gefülltes Heft ab. Sollte für jeden, der jenseits des Mainstreams nach interessanten AutorInnen sucht, zur Pflichtlektüre werden. Und in einer besseren Welt als dieser kommt der Punchliner dann auf den Lehrplan.

Der Exot macht es einem nicht so einfach. Wäre da nicht dieser komische Schriftsatz für den Fließtext, würde ich ja sagen, das Heft sieht zumindest besser aus. Tut es so aber nicht. Die Texte finde ich ziemlich durchwachsen, neben völlig überflüssigen Rezensionen über "Zimmer frei" oder zur Aufklärung übersetzter, faschistoider Metaltexte (wohl leider als Serie geplant) finden sich auch Highlights wie der Monstrositätenmonolog von Ronnie Vuine oder sehr Interessantem wie dem (E-Mail-)Interview mit Marc Kelly Smith. Insgesamt bin ich noch unentschieden, aber auf jeden Fall gespannt auf die nächste Ausgabe (Januar 2006?).

Update 24.12.05: Vom Exoten gab es eine Weihnachtskarte. Vom Punchliner nicht. Wenn man auf sowas steht ...

Redefining Paranoia

Durch einen Telepolis-Artikel bin ich auf den Film Lücke im System aufmerksam geworden. Leider läuft der in Hamburg nur zu ausgewählten Terminen im Abaton. Gestern in der Spätvorstellung waren außer mir noch fünf weitere ZuschauerInnen. Das hat der Film nicht verdient! Ob es der legitime Nachfolger des Kultfilms "23" wird, sei dahin gestellt, aber dieser - vorgeblich auf Fakten beruhenden - Film ist sehr unterhaltsam.

Die Story ist schnell erzählt: Zwei politisch aktive Computerfreaks planen einen Anschlag auf den Weltkongress des ICC. Fred programmiert einen Virus und Alex, der als Reinigungskraft im ICC-Gebäude arbeitet, soll diesen dort installieren. Alex kommt im Krankenhaus zu sich. Im wird erzählt, dass er einen Autounfall hatte. Leider kann er sich an den letzten Tag davor nicht mehr erinnern. Hat er den Virus installiert oder nicht? Fred ist verschwunden und seine Freundin hat in dieser Zeit mit ihm Schluss gemacht. Die betreuende Psychologin überredet Alex, an einem Versuch mit einer neuartigen Behandlungsmethode teilzunehmen. Erinnerungen, Vorstellungen, Wahn und aktuelle Geschehnisse verschwimmen immer mehr ... Sound und Bilder treiben einen immer weiter in das paranoide Szenario, jedes Bild könnte etwas bedeuten, was ist Realität?

Angucken!

Holzfacharbeiter

In der Kakerlake in Lüneburg gab es die Leistungsschau von Tischlerei Lischitzki. Erst wurde die neue, durchaus empfehlenswerte CD vorgetragen, danach gab es einen Haufen älterer Songs bis die Band nicht mehr konnte. Die Stimmung war bestens, der Lärm ohrenbetäubend, die Luft zum Schneiden ... vom Glasdach troff der Schweiß angereichert mit "will-ich-nicht-wissen". So wie das sein sollte. Negativ sind allerdings noch ein paar stinkbesoffene Idioten auf- und umgefallen. Vorher gab es noch zwei Bands: "The very Job Agency" (oder so ähnlich) fand ich ganz nett, aber Kurhaus hat mich nicht angemacht, so dass ich die Gelegenheit zum Luftholen genutzt habe. Lüneburg in Weihnachtsverkleidung ist allerdings nicht zu empfehlen.