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Factotum

Bent Hamer (Kitchenstories) versucht sich an Charles Bukowski. Die Kritik scheint begeistert und hackt auf Barfly rum. Den fand ich ja gar nicht so schlecht (und würde ich jetzt gerne nochmal sehen).

Ich für meinen Teil habe mir gestern im Zeise eine eigene Meinung gebildet. Der Film ist viel zu glatt/weichgezeichnet. Obwohl es ein paar nette Bilder gibt, nimmt man Dillon den versoffenen, der Welt feindlich gegenüberstehenden Trinker nicht ab. Aus dem Off erklärt er, er hätte drei Tage durchgesoffen und dann steht er im frisch gewaschenem Hemd und mit sauber getrimmten Bart da. Der Zynismus Bukowskis verkommt hier zur ästhetisierten Pose. Überhaupt gar keine Vergleich mit Mickey Rourke, der in Barfly mit blutverschmiertem Unterhemd herumtorkelt. Einzig Lili Taylor als Jan bringt in guten Szenen ein bisschen Authentizität rüber, teilweise sieht sie wirklich fertig/alt aus. Leider wirkt sie in ihrer Rolle ein bisschen ausgebremst, so als hätte sie gerne mal geschrieen und den Exzess demonstriert, aber durfte dann nicht (oder wurde rausgeschnitten).

Factotum: NOR, D, USA 2005 • R: Bent Hamer • D: Matt Dillon, Lili Taylor, Marisa Tomei, Fisher Stevens, Adriene Shelly, Didier Flamand, Karen Young u.a. • L: 93 Min • FSK: ab 16 Jahren

Kekexili

Im 3001 habe ich Kekexili gesehen. Tolle Himalayabilder in einer Doku über Menschen, die die tibetanische Antilope retten wollen, klang erstmal gar nicht schlecht. Am Anfang war gut und böse auch klar verteilt: die bösen Wilderer gegen die guten Beschützer der Antilopen. Ein Reporter aus der großen Stadt will darüber einen Artikel schreiben und fährt mit den Rangern los, um die Wilderer zu verfolgen. Je weiter die Gruppe sich in die Wildnis schlägt, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen gut und böse. Auch die Wilderer bzw. vor allem deren Handlanger sind arme Bauern, die ihr eigenes Überleben in einer lebensfeindlichen Umwelt organisieren müssen. Dafür verkaufen die Ranger die beschlagnahmten Felle, um Verpflegung, Benzin und medizinische Versorgung sicherzustellen. Der kargen Berglandschaft zollen beide Gruppen einen hohen Tribut, eine ganze Reihe der Beteiligten stirbt im Schneesturm, im Treibsand usw. Es ist ein brutaler Film, aber trotzdem lohnenswert und weiterzuempfehlen.

Kekexili - (Mountain Patrol)
O.m.U.; China/Hongkong 2004; Regie & Buch: Lu Chuan; Kamera: Cao Yu; mit Duo Bujie, Zhang Lei, Qui Liang, Zhao Xueying, u.a.; 95 Min.

Grand Slam Swindle

Im verzweifelten Bemühen das Zeise interessanter zu machen, macht man dort in Sachen "zeise goes latenight". Da sich das Format des Kurzfilmslams bislang noch nicht wirklich durchgesetzt hat, gab es gestern wieder einen Literaturslam. Im halbleeren Kino gab es zwar keine totalen Ausfälle, aber auch keine echten Highlights. Es ist sicher nicht so, dass ich bei Slams für Fairness plädiere oder pfofunde literaturwissenschaftliche Aussagen der Jury erwarte. Als Juror hätte ich schließlich - wie immer bei diesem Thema - für den Hooliganbeitrag über die WM-Auslosung faire null Punkte vergeben und mehr als fünf von zehn wären bei Gereimten aus Prinzip auch nicht drin. Aber wenn die Veranstalter das nächste mal ihre FavouritInnen zum einen nicht stumpf auf die besten Leseplätze am Ende setzen und zum anderen ein bisschen weniger offensichtlich loben könnten, wäre zumindest formale Fairness gewahrt.

"Was ich liebte" von Siri Hustvedt

Ich gebe es ja zu: Mich hat eine Roman von Siri Hustvedt vor allem deshalb interessiert, weil sie die Lebensgefährtin von Paul Auster ist. Dagegen anzuschreiben - obwohl Auster auch schon lange kein gutes Buch mehr verfasst hat - ist sicher hart. Zugegeben: Dieser Gedankengang ist total bescheuert.

"Was ich liebte" ist die Geschichte zweier Familien aus der New Yorker Kunstszene. Die Autorin bleibt also im heimischen Terrain. Erzählt wird aus der Rückschau eines der Beteiligten, dem langsam erblindenden Kunsthistoriker Leo. Leo und seine Frau Erika sind eng befreundet mit Bill, einem Künstler, und dessen zweiter Frau Violet, die ständig an irgendeinem diffusen Buchprojekt arbeitet. Die Geschichte plätschert so dahin, wer wann wen kennenlernt, berufliche und künstlerische Erfolge, gemeinsame Urlaube der beiden Paare, Beziehungsstress, blahblah. Eigentlich soll es dann dramatisch werden, als Matt, Sohn von Leo und Erika, bei einem Unfall ertrinkt. Allerdings ist nicht nur das Buch dann schon halb vorbei, auch die Beziehung von Leo und Erika, die New York verlässt, hat sich mehr oder weniger erledigt. Bill stirbt an einem Herzinfarkt. Es fehlen dem Drama also ein wenig die Protagonisten.

Damit überhaupt noch irgendwas passiert, fokussiert sich die Geschichte auf Mark, Bills Sohn aus erster Ehe. Nennonkel Leo und Stiefmutter Violet müssen feststellen, dass dieser ein notorischer Lügner und Dieb mit Hang zu Drogenkonsum ist. Es ließe sich wohl auf die Feststellung verkürzen, der Bengel ist geisteskrank. Die geistreiches Erwachsenen in seinem Umfeld realisieren dies aber nicht bzw. spät. Irgendwelche Erklärungen finden sich nicht. Leo lässt sich dann noch auf eine etwas merkwürdige Verfolgung des Jungen quer durch die Staaten ein, dass ist aber nur dann unterhaltsam, wenn statt der eigentlichen Handlung, die Auseinandersetzung Leos mit seinem alternden Körper in den Vordergrund tritt.

Fazit: Vielleicht hätte aus der zweiten Hälfte ein spannendes Buch werden können, aber dann hätte Huvstedt sich darauf konzentrieren und über den Tellerrand ihres eigenen Umfeldes gucken müssen. Schnell weggelesen, schnell vergessen. Weitere Bücher der Autorin stehen zumindest nicht auf der Wunschliste.

Session in Rahden

Es istwar mal wieder soweit: Ich habe The Foggy Few mit meinem Bass bei der allmonatlichen Session im Hotel Bohne verstärkt. War lustig. Allerdings sollte ich Stücke auf fremden Gitarren vorher üben. Zumindest wenn sie viele und mir mehr oder weniger unbekannte Akkorde beinhalten. Zum Glück war es spät und die Menschen vom Alkohol gnädig gestimmt ...