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Vielleicht mal ein paar gute Nachrichten

Nölen tue ich hier ja eigentlich immer, zum Beispiel könnte ich über das große "Grand Slam"-(Swindel-)Finale im Zeise am letzten Freitag berichten, aber heute kamen mir doch auch ein paar nette Dinge unter, da versuche ich mich mal in positiver Stimmung:


  • pro-linux.de feiert den 10000 Newsartikel. Und wächst.

  • Auch wenn ich der zehntausendste bin, der diesen Artikel verlinkt, er hat es verdient: 95 Theses of Geek Aktivism geben sich mit nicht weniger als dem Anspruch zufrieden, in ihrer Bedeutung dem Kram vom ollen Luther nachzufolgen. Schon mal eine sympathische Selbstüberschätzung. Sicher kann, nein muss und soll man über die Thesen streiten. Schon weil einiges ziemlich banal ist (oder nur für die USA zutrifft). Aber genau darum geht es, in den Kommentaren steht schon einiges an Anmerkungen. Ach ja: Ist in Englisch.

  • Der zweite Teil der zweiten Staffel von "The Scene" ist erschienen. Die frei herunterzuladene (und weiterzugebende) Serie über Leute, die sich in einer Szene bewegen, die Filme organisiert, rippt und möglichst vor dem Kinostart verfügbar macht, ist nicht nur ein sehr interessantes Format, sondern endet auch immer mit großartigen Cliffhangern. Die zweite Staffel hat das Format noch mal leicht verändert, ist aber immer noch großartig. Ist aber auch in Englisch.

Zufallsfund

Da hängt man müde von des Tages Mühen vorm Rechner und denkt sich, dieses ganze Internetgedöns ist doch totaler Quark, besser wäre die Zeit doch sicher anders zu nutzen, doch es tut sich auf einmal das hier auf: Thomas Kapielski' Writersblog. Großartig. Trotzdem ich in Sachen Vorbereitung gerade kanadische Literatur suche und lesen will, sollte ich mir endlich mal vom symphatischen Herrn Kapielski was zu legen.

Zweimal Literatur im Briefkasten

Relativ zeitgleich (wenn auch schon vor einer ganzen Weile) sind bei mir Punchliner Nr. 2 und die Erstausgabe von "Exot - Zeitschrift für komische Literatur" im Briefkasten gelandet. Wie immer bei dieser Art Lektüre mit kurzen Texten, Lyrik usw. dauerte das Lesen ein wenig ... aber nun, wo der Rest von Deutschland Vattenfall (sonst ändert sich nix) sich langsam unter den Weihnachtsbaum verkrümelt, habe ich ja Zeit mal was wegzuschaffen.

Der Punchliner setzt seinen Weg konsequent fort. Mehr oder weniger als Nachfolger von Subh gestartet, setzen die Macher offensichtlich auf Qualität statt Quantität und so erscheint dieses Druckwerk - leider! - nur jährlich. Die "üblichen Verdächtigen" und einige MitstreiterInnen liefern ein mit lesenswerten Texten prall gefülltes Heft ab. Sollte für jeden, der jenseits des Mainstreams nach interessanten AutorInnen sucht, zur Pflichtlektüre werden. Und in einer besseren Welt als dieser kommt der Punchliner dann auf den Lehrplan.

Der Exot macht es einem nicht so einfach. Wäre da nicht dieser komische Schriftsatz für den Fließtext, würde ich ja sagen, das Heft sieht zumindest besser aus. Tut es so aber nicht. Die Texte finde ich ziemlich durchwachsen, neben völlig überflüssigen Rezensionen über "Zimmer frei" oder zur Aufklärung übersetzter, faschistoider Metaltexte (wohl leider als Serie geplant) finden sich auch Highlights wie der Monstrositätenmonolog von Ronnie Vuine oder sehr Interessantem wie dem (E-Mail-)Interview mit Marc Kelly Smith. Insgesamt bin ich noch unentschieden, aber auf jeden Fall gespannt auf die nächste Ausgabe (Januar 2006?).

Update 24.12.05: Vom Exoten gab es eine Weihnachtskarte. Vom Punchliner nicht. Wenn man auf sowas steht ...

"Was ich liebte" von Siri Hustvedt

Ich gebe es ja zu: Mich hat eine Roman von Siri Hustvedt vor allem deshalb interessiert, weil sie die Lebensgefährtin von Paul Auster ist. Dagegen anzuschreiben - obwohl Auster auch schon lange kein gutes Buch mehr verfasst hat - ist sicher hart. Zugegeben: Dieser Gedankengang ist total bescheuert.

"Was ich liebte" ist die Geschichte zweier Familien aus der New Yorker Kunstszene. Die Autorin bleibt also im heimischen Terrain. Erzählt wird aus der Rückschau eines der Beteiligten, dem langsam erblindenden Kunsthistoriker Leo. Leo und seine Frau Erika sind eng befreundet mit Bill, einem Künstler, und dessen zweiter Frau Violet, die ständig an irgendeinem diffusen Buchprojekt arbeitet. Die Geschichte plätschert so dahin, wer wann wen kennenlernt, berufliche und künstlerische Erfolge, gemeinsame Urlaube der beiden Paare, Beziehungsstress, blahblah. Eigentlich soll es dann dramatisch werden, als Matt, Sohn von Leo und Erika, bei einem Unfall ertrinkt. Allerdings ist nicht nur das Buch dann schon halb vorbei, auch die Beziehung von Leo und Erika, die New York verlässt, hat sich mehr oder weniger erledigt. Bill stirbt an einem Herzinfarkt. Es fehlen dem Drama also ein wenig die Protagonisten.

Damit überhaupt noch irgendwas passiert, fokussiert sich die Geschichte auf Mark, Bills Sohn aus erster Ehe. Nennonkel Leo und Stiefmutter Violet müssen feststellen, dass dieser ein notorischer Lügner und Dieb mit Hang zu Drogenkonsum ist. Es ließe sich wohl auf die Feststellung verkürzen, der Bengel ist geisteskrank. Die geistreiches Erwachsenen in seinem Umfeld realisieren dies aber nicht bzw. spät. Irgendwelche Erklärungen finden sich nicht. Leo lässt sich dann noch auf eine etwas merkwürdige Verfolgung des Jungen quer durch die Staaten ein, dass ist aber nur dann unterhaltsam, wenn statt der eigentlichen Handlung, die Auseinandersetzung Leos mit seinem alternden Körper in den Vordergrund tritt.

Fazit: Vielleicht hätte aus der zweiten Hälfte ein spannendes Buch werden können, aber dann hätte Huvstedt sich darauf konzentrieren und über den Tellerrand ihres eigenen Umfeldes gucken müssen. Schnell weggelesen, schnell vergessen. Weitere Bücher der Autorin stehen zumindest nicht auf der Wunschliste.

Leuchtendes Personenwirrwarr

Vom Grabbeltisch habe ich mir "Wie es leuchtet" von Thomas Brussig gegönnt. Am Anfang ist mir die Unzahl von ProtagonistInnen und Handlungssträngen ein wenig auf den Keks gegangen, aber nach einer Weile gewöhnt man sich daran. Brussig beschreibt auf ca. 600 Seiten Geschehnisse - weniger DIE Geschehnisse - in der DDR 1989/1990. Wenn es überhaupt so etwas wie eine Hauptperson gibt, dann ist es eine Physiotherapeutin, die eher zufällig das Lied zum Umsturz schreibt und singt, die Wende in Karl-Marx-Stadt miterlebt und am Ende doch eher frustriert über die Art und Weise der Wiedervereinigung ist, obwohl sie eigentlich keinen allzu schlechten Schnitt macht. Zumindest nach westlichen Kriterien, diese aber nicht versteht bzw. verstehen will. Ein spießiger Bürgerrechtler, ein staatstragenden Staatsanwalt, der Direktor des Palasthotels enthüllen dem Leser ihre persönliche Sicht auf die Zeitläufe, entblößen dabei seltsame Schwächen und individuelle Überlebensstrategien. Aus dem Westen mischen ein Hochstapler und der Starredakteur eines Hamburger Nachrichtenmagazins mit. Alles in allem ist der Roman recht unterhaltsam, aber wie schon in "Helden wie wir" und "Sonnenallee" zerfasert der Roman dann doch zu sehr in den individuellen Geschichtchen und kommt nicht bzw. auf keinen Punkt.