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Jericho's Echo - Punk Rock In The Holy Land

Das kleine, aber feine Lichtmess-Kino hatte mich mal wieder neugierig gemacht:

Jericho's Echo - Punk Rock In The Holy Land
Die Dokumentation begleitet die kleine und noch junge Punkszene Israels. In einer der politisch explosivsten Regionen mit ihrer religösen Gesellschaft, die schwierige Themen gerne umgeht, schreien Bands mit Namen wie "Lo Kasher" ("Nicht koscher") ihre Wahrheit heraus - über Besatzung, Militärpflicht, Krieg, Religion und eine Jugend, die genug davon hat, in Angst und Schrecken zu leben. Mit Musik von Useless I.D., Kishut, Beer7, Chaos Rabak u.v.a. Die Filmemacherin wird anwesend sein.


Nachdem bei meinen letzten beiden Besuchen im Lichtmess jeweils nur eine handvoll Leute erschienen war, war ich recht erstaunt, dass es diesmal rappelvoll war. Mir blieb wie einigen anderen nur ein Stehplatz. Quasi im Vorprogramm gab es von Johannes (Katzilla Fanzine) eine Einführung über Israel (ziemlich verkürzt), Punk im Allgemeinen (eher überflüssig) und Punk in Israel (sehr nützlich, aber leider kurz). Der Film besteht aus einer Aneinanderreihung von Interviewschnipseln mit verschiedenen Bands und einzelnen AktivistInnen, die immer mal wieder mit Bildern von Konzerten oder allgemeineren Israelbildern unterbrochen sind. Unterlegt ist das ganze mit entsprechender Musik. Das ganze Punk-ist-Freiheit-Blahblahblah erinnert eher an die frühen Achtziger in diesen Gefilden und auch sonst klingt das erstmal weniger spannend. ABER: Die kraße Lebenssituation in Israel und Punk als - mögliche - Reaktionen darauf lassen das Ganze auf einmal wieder wichtig erscheinen.

Religöse Spinner überall, Gewalt und Repression wohin man schaut. Dazwischen Jugendliche beiderlei Geschlechts deren einzigen Optionen auf Entkommen vom Militärdienst - der dort gleichbedeutend mit Kampfeinsätzen ist - Abhauen oder eine (vorgeschobene) Geisteskrankheit sind. Wobei die israelische Gesellschaft oder zumindest das Militär bereits die Überzeugung, nicht zur Army zu wollen, als Form von Geisteskrankheit wertet. Die Folge einer so erzwungenen Ausmusterung ist ein Stempel im Pass, der es schwieriger macht, den Führerschein zu machen, einen Bankkredit zu bekommen, einen Job zu finden usw. Folglich ist so manche "Punkkarriere" mit Eintritt in die Armee abrupt zu Ende und die Szene entsprechend jung. Immerhin scheint in Israel Punk als Provokation und gar andersartigem Lebensentwurf in Ansätzen noch zu funktionieren. Angesichts der hiesigen Abziehbildpunks mal ganz erfrischend.

Zwischendurch kam auch immer wieder eine, nun ja, hier würde man wohl sagen "Rechtsrockband" zu Wort. Schwer erträgliche Scheiße über Vaterland(sverteidigung), Männerehre und israelische Durchsetzungskraft. Man sollte zwar die Existenz solcher Bands nicht negieren (sondern sich damit auseinandersetzen), aber was die unkommentiert in diesem Kontext sollten, weiß der Henker.

Alles in allem ist die israelischen Punkszene sicher nicht überzubewerten. Dafür ist selbst bei den politischorientierten Punks eine eher naive Weltsicht vorherrschend. Klar, wenn einem der Leadsänger bei einem Bombenattentat weggesprengt wird, scheint die falschen Annahme gerechtfertigt, in der Schweiz gäbe es nichts, gegen das man protestieren müsse. Aber zum Konflikt mit den Palästinenseren fällt den meisten auch nicht viel mehr ein, als das man doch nur nett zueinander sein müsse und alle in Frieden leben wollten. Einfacher wäre es vielleicht, wenn es ebenfalls eine palästinensische Szene gäbe, aber im gesamten arabischen Raum ist da wohl eher nichts zu finden. So ist auch für die Punkszene friedliches Miteinandere eher ein theoretisches Konzept ohne Praxisbezug. Ob palästinensische Hip-Hopper und israelische Punks irgendwann zusammen finden, wage ich zu bezweifeln.

Die Frage/Antwort-Runde im Anschluss war kurz. Der Hamburger kommt nicht so gerne aus sich heraus. Und spätestens als einer der Anwesenden sich bemüssigt fühlte, den Beitrag der israelischen Armee für die Freiheit der Punks zu lobpreisen, war dann auch Zeit, zu Schluss zu machen.

Liz ist mit ihrem Film noch eine Woche in Deutschland unterwegs - hingehen! Die Termine finden sich auf der Internetseite:

Jericho's Echo - Punk Rock In The Holy Land
Liz Nord, USA 2005, 75 min, O.m.engl.U., DVD
Info und Fotos unter: www.jerichosecho.com
Lesenswert ist auch das Blog der Filmemacherin, derzeit bloggt sie natürlich über ihre Deutschland/Österreichtour.

Eminem

Während die Frau, die weiß, wo es in Hamburg lang geht, sich noch in verschneitem Pessimismus übt, fürchte ich beinahe den Frühling. Juckt schon fast in der Nase. Auf Fritz ist Kuttner gerade mal wieder in Form. "Das Leben ist keine Wunschkonzert, die Weisheit wächst auf Bäumen" (Rocket/Freudenthal), aber auf meiner Playlist steht eigentlich den ganzen Tag Oma Hans.

Ansonsten habe den Eminemfilm 9 Mile gesehen. Der arme, kleine Rabbit, der immer für nix was kann und doch eigentlich ganz lieb ist, dem wird ja soooooooo böse mitgespielt. Er will doch nur rappen. Und labert genau dieselbe blöde, aufgeblasene Scheiße wie die andern Macker. Rassistische Zoten, frauenfeindliches Gebrabbel, der übliche Rapperscheiß, zumindest in diesem Film mit ein bisschen Sozialscheiße verquirlt. Aber natürlich mit Happyend. Eminem/Rabbit ist eben doch der Beste. Klar, Digger.

Oma Hans löst sich in gute Luft auf

Hier beschreibt der TAZ-Praktikant, warum es besser so ist.* Zum Glück waren ja die meisten über 30.

Letztes Konzert von einer der großartigsten Bands überhaupt. Dank FSK gibt es einen schönen Mitschnitt. Soll ich also jammern, soll ich klagen, mir vor Gram meine alte Dackelblutgrillschürze zerreissen? Nein. Um eine der Vorgängerbands zu zitieren: "Oma ist tot".

*)Die heutige Ausgabe der TAZ beweist im Übrigen mal wieder, warum sie in Hamburg so keiner mehr braucht.

Fehlfarben - live

Man hatte mich verschiedentlich gewarnt. Das Konzert auf dem Wuhlheidenfestival nach der Platte des himmlischen Friedens fand ich selbst beschissen. Und die Fehlfarben-Konzerte in Hamburg sollen traditionell die schlechtesten sein. Trotzdem war ich am 16.03. im "Übel & Gefährlich" (Weltbühne-Nachfolger), um die alten Recken hören. Ja, ich bin auch so einer, der "Monarchie & Alltag" für eine der wichtigsten Platten im Leben (und überhaupt) halten. Immer noch.

Aber zum Glück bedient Fehlfarben das Klischee nicht. Ein paar wenige alte Gassenhauer werden eher lustlos und eigenwillig runtergespielt. Ansonsten gibt es die Sachen der "neueren" Scheiben. Zwischendurch labert sich Peter Hein um Kopf und Kragen, damit auch ja jeder merkt, dass er ein Arschloch ist. Aber die Stimme (und seine Texte) lassen einen das für einen Abend ertragen. Vorallem Bass und Schlagzeug eine Bank. Respekt. Gitarre erwartungsgemäss (schlecht). Nettes Licht, schöne Filmschnipsel im Hintergrund.

Ich fand es es gut. Toller Einstieg ins Wochenende (mit sehr nettem Besuch). Und schließlich kam dann ja noch eine Beerdigung erster Klasse.

Ausgespielt ... und jetzt?

Der letzte Eintrag war eher technischer Natur, ist eine ganze Weile her und könnte jetzt stumpf ersetzt werden: Wegen einiger Sicherheitslücken musste die Blogsoftware schon wieder erneuert werden. Das ist aber völlig uninteressant. Zusammenfassend könnte ich nun erklären: Ich weiß, wie es geht. Aber nicht, wie es weitergeht. Oder mit den Aeronauten: Man hat es mir erklärt, wie es geht, doch ich weiß immer noch nicht für was.

Futter für die einzelnen Kategorien gäbe es durchaus (s. Schnelldurchlauf unten), aber die Motivation, sich darüber auszubreiten ist teilweise nicht sonderlich ausgeprägt. Im Zweifel finde ich, den nächsten Schritt zu tun, ist interessanter, als den letzten Schritt zu kommentieren. Ich will das nicht unbedingt schreiben und wahrscheinlich will das auch zurecht keiner lesen. Fehlt es mir an Sendungsbewusstsein? Oder bin ich nur langweilig?

Vielleicht habe ich ja auch nur zuwenig FreundInnen? Menschen, die mich mit Kommentaren bombardieren, mich wiederum in ihren Blogs verlinken, mit mir zusammen Blogger-Treffen oder gar -Lesungen veranstalten. Entschuldigung, aber irgendwie bringt mich das eher zum gähnen. Genauso wie dieser ganze Themenkomplex Wir-sind-Blogger-und-wir-sind-toll versus Ihr-seid-Blogger-und-ihr-seid-Scheiße. Das erinnert mich daran, endlich Blogbar aus meinem RSS-Reader zu schmeißen. Plonker.

Das Lesen von Blogs schränke ich auch tatsächlich schon wieder ein. So sind zwar die RSS-Feeds einiger Blogs tatsächlich in meinem alltäglichen Computerleben angekommen (Beispiele: Sport, Netzpolitik, Unterhaltsames), vieles fliegt aber schnell wieder aus der Beobachtungsliste raus. Das erinnert mich so ein bisschen an die Musikerpolizei: ratzfatz 3 Stücke jeweils maximal 2-4 Takte angehört und schnell ein - i. d. R. negatives - Urteil raushauen. Aber irgendwie muss man die Informationsflut ja eindeichen.

Ein bisschen was über Technik gelernt. Schöne, bunten Oberflächen, die Weisheit von XML-Dateien ... Und wenn da nix ist? Immerhin in den letzten Netz-Tagen auf zwei interessante Dinge gestossen: Eine (kurze und dann doch platte) Diskussion über Löschen von Blogbeiträgen bei Paulsen und einem Statement von Geert Lovink zu Qualität als blossem Genre.

Hier noch die Kategorien im Schnelldurchlauf (zufällige Reihenfolge):

  • Puschenkino


  • Station Agent: Sehr, sehr netter und ruhiger Film. Ist im Kino völlig an mir vorbeigegangen.

  • Sie leben: Auweia. Außerirdische leben unter uns, mit speziellen Sonnenbrillen kann man sie und ihre Manipulation der Menschen sehen. Insbesondere die schauspielerische Darbietung ist unterirdisch schlecht.


  • gesehen


    • Johnny Cash Special im Zeise: Das grandiose Hurt-Video und ein Konzert von 1987. Großartig der Mann. Lustige Band, insbesondere die Gitarristen: der Mann auf der vom Publikum rechten Seite sieht übler aus, als Pete Townshend zu seinen schlechtesten Zeiten. Am Ende kommt noch June Carter auf die Bühne und bietet mir ihrem Mann ein, nun ja kitschiges, Liebeslied dar. Trotzdem schön. Und mir ist nochmal aufgefallen, was für einen guten Job Phoenix und Witherspoon in I walk the Line gemacht haben.


  • gehört (live)


    • Leider nix, aber da kündigt sich ja einiges an (s. rechts unter "Kommt bald").


  • gehört (konserve)


    • GUZ, quasi das Gesamtwerk. Auch eine Menge komischer (und langweiliger) Kram, aber ziemlich viel tolle Songs. Derzeitige Favouriten: Warten auf Ärger / Never talking to you (Hüsker Dü Cover) / Choice of a new Generation)

    • Jello Biafra & the Melvins, "Sieg Howdy": Nicht gerade innovativ, aber geht ziemlich ab. Und Wut scheint der alte Mann des PC-Punk immer noch reichlich zu haben (This dumb Punk Kids Will Buy Anything / California über alles 2005).

    • Fehlfarben, 26einhalb: Nicht gekauft, auf der Homepage von Fehlfarben kann man in die Songs reinhören. Für Grönemeyer und Campino gebe ich kein Geld aus.


  • gelesen


    • Geert Lovink, The Principle of Notworking: Da bin ich noch dran ... lässt sich beim Autor als PDF runterladen.

    • Wolfgang Hohlbein, Wolfsherz: Bei uns Haus gibt es ja die schöne Tradition, dass die meisten Mieter auf der Fensterbank im ersten Stock des Treppenhauses ihre ausgemisteten Dinge für ein paar Tage zum Verschenken auslegen, bevor diese endgültig entsorgt werden. Von der HVV-Tagkarte bis zu Gefrierschränken findet sich da immer wieder was, was andere brauchen können. Als nun unlängst die Mietpartei unter mir auszog, gab es reichlich Auswahl. Zwischen "Fach"-Literatur zu Farb- und Aromatherapie und allerhand Esotheriktand fand sich auch das Buch von Hohlbein. Meine Fresse. Hohlbein dürfte ja inzwischen einer der meistverkauftesten Fantasyautoren in Detschland sein, aber dieses sinn- und spannungslose Werwolf-Gemetzel ist schlichtweg überflüssig. Vielleicht sollte man von Autoren, die sich als Zinnfigurensammler outen, auch nicht zu viel erwarten.

    • Joseph Conrad, Herz der Finsternis: Endlich mal wieder ein Buch aus der SZ-Bibliothek gelesen. Spannend, aber nicht umwerfend.

    • Ake Edwardson, Die Schattenfrau: Krimi aus Schweden. Eigentlich wie immer: Langweilt nicht, aber rockt auch nicht wirklich.