Dass Facebook nicht besonders cool ist, sieht man ja schon von weitem.
Sagt Geert Lovink im
Interview mit der Berliner Gazette. Klingt lustig, kann ich aber nicht beurteilen, ich war noch nie "in" Facebook, der Facebook-Mailserver wird seit einer Ewigkeit geblockt und die wichtigsten Facebooks-Gagdets auf anderen Webseiten fischt
Adblock ab. Viel spannender ist dagegen das (englischsprachige) Interview "
The Meaning of Open is Obfuscated"mit Geert Lovink für den Ars Electronica 2010 Katalog. Gerade beim ganzen "open-minded"-Gequatsche und "wir-sind-more-open-als-ihr"-Getue in den
Hospex-Netzen täte - zumindest bei den unkommerziellen Varianten wie
BeWelcome - ein Nachdenken über den Begriff "offen" gut.
Kinderpornoverdacht ist der
Hitlervergleich von heute.
(Differenzierter über den Umgang der politischen Elite mit den digitalen Bürgern schreibt das
Provinzblog.)
Aus aktuellem Anlass:
Lesebefehl. Und dann helft die Bezahlung von kirchlichen Obermuftis aus Steuergeldern - NICHT aus Kirchensteuer wohlgemerkt! - abzuschaffen. Und wenn das nächste mal jemand sagt, ohne den Führer gäbe es keine Autobahnen, dann vergesst nicht hinzuzufügen: Ohne den Führer, würden die Bischöfe ihr Gehalt nicht vom Staat geschenkt kriegen.
Ich weíß, ich weiß: hätte ich nicht tun sollen. Aber da bei meiner Lieblingssportart nun mal viele Pausen und Auszeiten vorkommen, habe ich gezappt. Mitten rein in die Berichte über den Amoklauf. Und egal welcher Sender, egal welche Sendung, einfach
ÜBERALL wiederholen, sie die Scheiße, die der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech heute in seiner Pressemitteilung verzapft hat. Das die Tat nämlich angeblich im Internet angekündigt war. Nur ist
der Innendepp getrollt worden und der
Spiegel hat's brav wiedergekäut. Soweit, so schlecht. Aber muss man noch Stunden,
nach dem das bekannt wurde, immer und immer wieder denselben Unfug wiederholen? Inzwischen (23:00) scheinen sie das aber
langsam zu merken .... Und die Spezialisten von der Polizei erklären, sie fragten gerade beim Serverbetreiber in den USA an, wann der Eintrag genau erschienen sei. Also der, den es gar nicht gab. Scheint mir logisch. Aber nicht vergessen, dass dann auszudrucken.
Ach ja: und dann auch noch durch einen
unmöglichen Wurf in der letzten Sekunde verloren.
Das gesamte Paket Liebe scheitert daran, dass sich Wörter aufdrängen wie "für immer" oder "die Frau meines Lebens" oder "Traummann" oder der ganze Rest des fauligen abgehalfterten Modder.
Ich war gestern im Westwerk, wo die "erste europäische Lesung aus einer Schrankwand" namens Opeckta stattfand. Jens Rachut nebst Begleitung durch nicht ganz Unbekannte (Infos und mehr Termine bei
Trümmer) machen was, das keine klassische Lesung ist, vielleicht kein Theater sein will aber fast so laut wie ein Konzert daherkommt. Teilweise als Liveübertragung aus den dunklen Bereichen der Schrankwand auf die Videoleinwand. Versatzstücke aus dem Hörspiel "Der Seuchenprinz", orgeluntermalte Songs von Oma Hans / Kommando Sonne-nmilch, Videoschnipsel, holländischen Fussballübertragungen ... das Publikum begleitet einen Angestellten vom Tod, eine für immer Schwangere und die wahrscheinlich einzige Liebhaberin der Stresemannstraße durch den Trümmerhaufen der menschlichen Existenz.
Die z. T. bekannten Songs bekommen hier im Licht der Grubenleuchten und im Zusammenhang mit den restlichen Texten nochmal eine ganz andere Intensität, was wieder mal deren Einzigartigkeit unterstreicht. (Man stelle sich mal den Normalpunksänger vor, wie er seine Texte solo oder nur mit dezenter Begleitung durch die Orgel von sich gibt. Vermutlich wäre das ziemlich armselig.) Nein, wir sind nicht zu alt für Punk, wir sind nur alt genug zu wissen, dass Punk nicht das immerwährende Abspulen der gleichen drei Akkorde ist. Während damit zu Zeiten des Punkhypes sogar Geld zu verdienen war (ist?), drohte in Vergessenheit zu geraten, dass da draußen nichts ist.
Jens Rachut spricht unmissverständlich Dinge aus, die sich andere nicht zu denken trauen. Weil's dann nämlich ganz traurig wird. Das kleine Glück, die vermeintlich netten Gesten, es läuft immer auf das depremierende gleiche hinaus:
Er landet irgendwo zwischen Siechtum und Tod, und zwar genau in der Mitte. Und so wird es vielen gehen. Außer denen, die Glück haben oder Geld. Beides passiert selten. Die meisten arbeiten und schlafen. Oder umgekehrt.
Einzig dem Organisten wird der Herzenswunsch erfüllt, aber dann ist das Glas leer.
(Nicht nur) zum Schluss heißt es: "Adios, ihr Pfeifen!" - Wer noch kann, sollte Opeckta nicht verpassen.